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Interviews mit Produzenten

Bugaloo gibt regionalem Saft ein neues Image

30.01.2017

Saft ist doch eigentlich gleich Saft, oder? Denkt man, dachte ich auch, dem ist aber nicht so. Hier wird Wasser hinzugefügt, dort ist er frisch gepresst, anderswo wieder mit Zucker angereichert. Es gibt unzählig viele Safthersteller, die sich auf dem ersten Blick kaum Unterscheiden.

Nach dem ich mich schon über die Unterschiede von Limonade, Schorle und Brause informiert habe, widme ich mich nun dem Saft. Die Mosterei Ketzür hat sich nämlich vorgenommen, diesem Getränk ein neues Image zu verpassen. Wie das geht und was es damit auf sich hat, weiß der Achim und hat mir meine Fragen beantwortet.

 

Bugaloo ist ein amerikanischer Musikstil der 60er Jahre. Wieso habt ihr eure Säfte danach genannt?

Wir finden, Saft trinken muss aus der biederen, gesundheitsbewussten und traditionellen Ecke geholt werden. Wer Saft trinkt, ist kein Spaßverderber oder Langweiler. Er tut dies völlig bewusst und ohne dabei Abstriche beim Faktor Spaß, Geschmack oder eben auch der Optik oder Coolness des Produkts machen zu müssen. Bugaloo ist einerseits ein schöner einprägsamer Name und andererseits auch ein toller Musikstil, der leider nie wirklich einen Durchbruch erlebt hat.

 

Aber eigentlich seid ihr ja eine Lohnmosterei. Bei euch kann man also sein eigenes Obst pressen lassen. Seit wann bietet ihr denn auch eigene Produkte an?

Wir kommen ursprünglich aus der Lohnmostecke, richtig. Man bringt sein Obst zu uns und bekommt im Anschluss zu 100% den Saft seiner eigenen Früchte. Man kann dabei zuschauen, direkt aus der Presse probieren und hat den haltbaren Saft in Glasflaschen nach schon etwa einer Stunde fertig zum Mitnehmen.

Da dies sehr gut ankam, beschlossen wir, auch in den Vertrieb einzusteigen. So produzieren wir jetzt im zweiten Jahr auch in größerem Stil leckere Säfte für den Verkauf an Gastronomie und Handel. Nebenbei haben wir zudem einen Hofladen, also einen eigenen Saftladen. Direkt vor Ort an der Mosterei.

 

Aber woher stammt denn das Obst für eure eigenen Säfte?

Ausschließlich aus der Region rund um unseren Betrieb. Wir kennen alle Lieferanten und arbeiten, wo es irgendwie geht, mit Bio-Obstbauern zusammen. Leider gibt es einige Früchte, die in unserer Region nicht in Bio-Qualität angebaut werden. Diese stammen aber dann in der Regel von Streuobstwiesen, die ja eigentlich noch viel besser sind als bio, jedoch ohne Siegel. Eine Ausnahme haben wir aber im Sortiment: unser Apfel-Mangosaft. Dieser ist in Zusammenarbeit mit Weltläden entstanden. Die Mango beziehen wir fairtrade von den Philippinen.

 

Noch mal zurück zum Saft allgemein. Ihr wollt ihm ein anderes Image geben. Was macht euren Saft dabei so besonders? Es gibt ja schon unzählige Säfte zu kaufen.

Unser Saft ist 100% Natur. Ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Somit auch vegan, da wir keine Gelatine zufügen, wie viele große Hersteller (die dies übrigens NICHT deklarieren müssen!). Er ist direkt gepresst, naturtrüb und ungefiltert. Soviel erstmal zu den produktionsbedingten Eigenschaften.

Dann bieten wir eine Sortenvielfalt, die man sonst vergeblich sucht. Unter einer Marke finden sich, ausschließlich aus regionalem Anbau, mehr als zehn verschiedene, bunte Sorten, die unterschiedlichste Geschmäcker treffen. Wir machen sozusagen die Region trinkbar. Einen KiBa (Kirsch-Bananen-Saft) oder O-Saft hat jede größere Mosterei im Sortiment. Jedoch einen genau abgeschmeckten Apfel-Rote Bete-Saft, der so gut ist, dass ihn auch erklärte Rote-Bete-Hasser lieben, gibt es bisher nicht.

 

Das Havelland ist doch eigentlich für Birnen bekannt. Wir haben auch schon über das Havelwasser (Birnensaft mit Wein) berichtet. Was gibt es noch alles in eurer Region?

Das stimmt so leider nicht ganz. Die Birne ist so etwas wie eine rural legend (ländliche Legende) des Havellandes und hat durch Theodor Fontane noch eine Krone aufgesetzt bekommen. Heute wächst hier vor allem der Apfel. Leider auch nicht mehr so viel wie noch vor 20 Jahren. Es gab nach der Wende eine sogenannte Rodungsprämie für jeden gerodeten Apfelbaum. Leider hat sich davon die Region noch nicht richtig erholt.

Dafür gibt es aber noch jede Menge Quitten und neuerdings auch unsere sogenannten Superfruits: Aronia und Sanddorn. In den Gärten der Leute gedeihen zudem auch Feigen, Kiwis, unzählige Beerenfrüchte und interessante Gemüse wie Topinambur.

 

Kiwis? Und was sind Aronia und Topinambur? Muss ich gleich mal recherchieren. Was genau ist für euch eigentlich regional? Habt ihr eine klare Definition dafür?

Ja, das haben wir. Alles, was maximal 150 km um unseren Standort herum angebaut wird, ist für uns regional. Allerdings können wir stolz behaupten, dass fast all unser Obst aus maximal 30 km Entfernung seinen Weg zu uns findet.

 

Das ist tatsächlich klasse für eure Region. Toll. Und wie sieht es mit der Saisonalität aus? Produziert ihr euren Saft für das ganze Jahr vor oder nehmt ihr gelagertes Obst und Gemüse?

Richtig, wir produzieren unsere Säfte nur dann, wenn das Obst auch reif ist. Das ist die klimaschonendste Variante der Obstlagerung, da nach dem Pressen keinerlei Energie für Lagerung oder andere Behandlung benötigt wird.

 

Vorbildlich. Aber welche Früchte presst ihr dann im Winter?

Im Winter machen unsere Maschinen Winterschlaf.

 

Ah, dann habt ihr Zeit für andere Sachen. Warum gibt es eure Säfte eigentlich nicht im Supermarkt zu kaufen?

Das stimmt nicht ganz, wir sind in einigen inhabergeführten LEH-Geschäften zu finden. Wir wollen den Kontakt zu unseren Kunden bewahren, daher ist der Großhandel für uns momentan keine Option und damit auch nicht der Einstieg bei den bekannten Ketten. Jedoch arbeiten wir im Bereich Supermärkte noch einiges auf und sehen dem Thema zwar nicht unkritisch, jedoch optimistisch entgegen. Es müssen jedoch gewisse Rahmenbedingungen gewahrt bleiben, die wir als Produzenten vorgeben. Wir wollen, dass der bewusste Safttrinker unser Produkt mit der Region und der hier vollzogenen Wertschöpfung in Verbindung bringt. Ein anonymes Massenprodukt wollen wir nicht werden.

Mosterei Ketzür GmbH, Unter den Linden 11, 14778 Beetzseeheide, www.mosterei-ketzuer.de

Felix Kosel



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Kleines Obstlexikon

 

Quitten

Die Quitte ist ein Kernobstgewäch und wächst am Strauch oder Baum. Ihre goldgelben Früchte gleichen einem Apfel und einer Birne. Reif sind Quitten zwischen September und Oktober. Allerdings trägt die Pflanze erst nach 4-8 Jahren Früchte.

Essen kann man die heimischen Früchte eher weniger, da sie hart und bitter sind. Verarbeitet werden die Quitten zu Aufstrichen (Quittengelee), Kompott, Likör, Saft, Schnaps oder zu Quittenbrot. Auch als Beilage für Fleischgerichte können sie verwendet werdern.

 

Aronia

Aromia sind besser bekannt unter dem Namen Apfelbeeren. Ihren Ursprung haben sie in Amerika, sind inzwischen jedoch auch hierzulande weit verbreitet. Sie wachsen an ein Strauch und sind etwas größer als eine Erbse.

Geerntet werden sie zwischen August und Oktober und werden entweder getrocknet wie Rosinen oder direkt zu Saft oder süßen Aufstrichen verabreitet.

 

Kiwis

Ja, auch in Deutschland werden Kiwis angebaut. Eigentlich kommt diese Frucht aus China, jedoch gibt es einige Arten, die auch bei uns in Deutschland wachsen und immer beliebter bei Gartenbesitzern werden. Man unterscheidet Kiwis in zwei Arten. Actinidia chinensis ist die den meisten bekannten. Die Actinidia arguta dagegen ist nur so groß wie eine Stachelbeere, unbehaart, frosthart und kann mit Schale gegessen werden.

Geerntet werden die Kiwis im Oktober und November. Und wer es noch nicht wusste: im Kühlschrank und sogar in der Tiefkühltruhe sind sie monatelang haltbar.

 

Topinambur

Topinambur ist ein Wurzelgemüse, welches auch als süße Kartoffel oder Erdartischocke bezeichnet wird. Aus Amerika stammend ist die Pflanze ein Kraut, welches bis zu 2 Meter hoch wachsen kann. Die Wurzel wird zwischen Oktober und März geerntet.

Gegessen wird Topinambur roh in Salaten, gekocht und auch frittiert wie Kartoffeln. Zu Saft wird sie eher selten verarbeitet. Zu Sirup eingedickt ist Topinambur als alternatives Süßungsmittel erhältlich. Auch zu Mehl verarbeitet wird die Wurzel eingesetzt.

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