Menü

Startseite

Kategorien

Termine

Aktionen

Blog

Über uns

Manufaktur vorschlagen

Interviews mit Produzenten

Revolutionierung der Dosensuppe?

09.09.2016

Suppen gehen immer. Und sie gibt es überall. Im Supermarkt, im Suppenladen und auch in fast jedem Restaurant. Wer eine Suppenmanufaktur aufmachen möchte, muss sich da etwas einfallen lassen, um aus der Masse heraus zustechen. Bio allein bringt es nicht mehr. Regionale Suppen gibt es auch schon.

Letztens habe ich mir eine Rinderwade, Knochen und ein Huhn gekauft, um selbst eine Hühnersuppe zu kochen. In Zeiten von Fastfood und Fertigessen schon ein kleiner Aufwand, vor allem aber ein Zeitfaktor. Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen ich mir Dosensuppen gekauft habe. Kurz erhitzt und fertig. Lange ist es her. Und lecker war auch anders.

Nun hat sich jemand der Dosensuppe angenommen und sie zu seinem Wiedererkennungswert gemacht. Qualitative Kürbissuppe aus der Dose? Kartoffelsuppe verpackt in Blech? Wir haben Inhaber Heiko Langhans von Langhans Suppenmanufaktur gefragt.

 

Irgendwie hatte ich bei einer Suppenmanufaktur eine gemütliche Frau im Kopf, die von ihrer Oma ein altes Suppenrezeptbuch geschenkt bekommen hat und diese nun kocht. Bei dir ist es ganz anders. Du bist ein junger Mann, hast in diversen Gourmetküchen gearbeitet, bist längere Zeit in Australien und Asien gewesen und hast dann in Franken eine Suppenmanufaktur eröffnet. Also weg mit meinem Klischeebild. Wie kamst du auf diese Idee? Woher die Liebe zur Suppe?

Vor sieben Jahren war ich in Münster Küchenchef in einem Restaurant mit angegliedertem Delikatessengeschäft. Interessehalber beschäftigte ich mich da mit dem gängigen Sortiment an Convenience-Produkten und stellte fest, dass Fertigprodukte in der Dose (zu Recht) einen schlechten Ruf haben. Von da an war mein Ehrgeiz geweckt, daran etwas zu ändern. So, wie seit jeher Lebensmittel haltbar gemacht werden, wollte ich Fertigprodukte in der Dose herstellen, die mit den Klischees brechen. Qualität haltbar gemacht ? das war mein Ziel.

 

Wäre es da nicht einfacher gewesen, die Suppen in Gläsern haltbar zu machen?

Zu Beginn habe ich mir tatsächlich darüber Gedanken gemacht ? Dose oder Glas? Aber genau in der Dose habe ich die Herausforderung gesehen. Ich möchte mit meinen Produkten das Image aufpolieren, weil ich finde, dass die Dose als Verpackung für Lebensmittel eine Menge Vorteile hat. Ein robustes Material, dass das Produkt schützt und ohne Kühlung auskommt. Und wenn man sich mit verschiedenen Untersuchungen zum Thema Nachhaltigkeit beschäftigt, erfährt man, dass Weißblechverpackungen inzwischen die höchsten Recyclingraten von allen Verpackungsarten haben.

 

Ist das tatsächlich so? Aber kommen wir zum Inhalt. Du kochst u.a. Erbseneintopf und Tomatensuppe. Woher kommen deine Inspirationen für deinen leckeren Suppen Rezepte?

Zum einen habe ich natürlich viele Inspirationen von meinen unzähligen Reisen mitgebracht, wie z.B. für meine Bollywood Veggie. Auch konnte ich in meiner beruflichen Laufbahn aus den verschiedensten Restaurants eine Menge an Wissen und Inspiration mitnehmen. Zu guter Letzt ziehe ich aber auch immer Anregungen aus der Region, in der ich gerade lebe. So arbeite ich seit ich in Franken lebe schon wieder an ganz anderen Rezepten, als ich sie beispielsweise in Hamburg entwickelt habe.

 

Deine Suppen haben so tolle Namen wie "Rind Royal", "Ochs am End" und "Kikeribrüh" ? denkst du dir diese eigentlich selbst aus oder hast du eine Marketing Firma, die dir alles durchdesignt?

Ein Teil des Geburtsprozesses einer neuen Sorte ist auch immer die Namensfindung, die eigentlich immer in Zusammenarbeit mit Freunden stattfindet. Da gibt es einige lustige Brainstorming-Abende, aus denen sich dann Stück für Stück der endgültige Name herauskristallisiert.

 

Und woher kommen deine Zutaten?

Regionalität ist ein ganz wichtiger Aspekt meiner Arbeit. Sowohl in Hamburg, als auch jetzt in Franken beziehe ich die wichtigsten Zutaten direkt vom Erzeuger. Mir ist bei meinen Produkten genauso wichtig zu wissen, wo meine Zutaten her kommen, wie wenn ich für mich und meine Familie koche.

 

Wie viele verschiedene Suppen kochst du denn so in der Woche? Und machst du das alles ganz allein?

Das hängt immer ganz von der Auftragslage ab. Theoretisch kann ich sieben Tage die Woche jeweils eine Sorte pro Tag kochen. Pro Kochvorgang fasst mein Kessel rund 90 Dosen, und pro Tag lassen sich maximal zwei Kochvorgänge von einer Sorte realisieren. Einkauf, Vorbereitung, Kochen, Abfüllen, Etikettieren ? alles das mache ich in Eigenregie. Dass da kaum Zeit für Büroarbeit bleibt, ist sicher verständlich. Deshalb unterstützt mich hierbei glücklicherweise meine Frau Corina.

 

Wie viele Liter Volumen hat denn dein Suppentopf? Und womit rührst du eigentlich um?

Mein Kessel fasst 120 Liter, und das Umrühren wird ganz normal mit einem Kochlöffel oder Schneebesen erledigt, die beide nur eben ein klein wenig größer sind als die, die man aus der Haushaltsküche kennt.

 

220 Liter Suppe am Tag. Wow! Sag mal, gibt es eine von dir kreierte Suppe, die so extravagant war, dass du sie wieder aus dem Sortiment genommen hast?

Ich hatte tatsächlich schon einmal eine Sorte, die ich wieder aus dem Sortiment genommen habe. Eine Minestrone, die geschmacklich toll war. Leider sind mir mit einer Vollkonserve aber gewisse Grenzen gesetzt. So kann ich beispielsweise keine Suppe anbieten, deren Gemüse eine gewisse Bissfestigkeit haben muss. Meinem Qualitätsanspruch ist das einfach nicht gerecht geworden.

 

Sonst schmeckt sie genau so, wie ich sie vor Jahren aus dem Supermarkt gegessen habe. Geschmacklich und von der Konsistenz her alles ein Einheitsbrei. Ich bin mal ganz frech: kannst du uns eines deiner Suppen Rezepte zum Nachkochen verraten?

Ein 1-zu-1-Rezept einer Suppe aus meinem Sortiment kann ich natürlich nicht verraten. Aber ich habe ein Rezept parat, womit ich vor kurzem erst meine Frau bekocht habe. Viel Spaß beim Nachkochen und guten Appetit!

 

Sellerie-Apfelsüppchen Rezept von Heiko Langhans

für ca. 4 Personen

 
  • Ca. 600 g Knollensellerie, 2 ? 3 Äpfel, 2 Zwiebeln und 2 Kartoffeln in Butter anschwitzen.
  • Etwas Agavendicksaft zugeben und leicht karamellisieren lassen.
  • Etwa ¾ Liter Gemüsebrühe (z.B. Fond No. 2) angießen, aufkochen und zugedeckt bei mittlerer Hitze garen.
  • Zum Ende etwas Sahne auffüllen, und das Ganze mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken und pürieren.
  • Je nach Belieben die Suppe noch passieren und die Konsistenz mit Brühe oder Apfelsaft verfeinern.
  • Als Einlage Zimtcroutons reichen.


Langhans Suppenmanufaktur, Martin-Luther-Straße 3, 97486 Königsberg i. Bay., langhans-suppenmanufaktur.de

Initiative Lebensmitteldose: initiative-lebensmitteldose.de

Felix Kosel

 

PS: Entdecke tolle Lebensmittel-Handwerker und Manufakturen, spannende Geschichten von Produzenten und erhalte Termine und Aktionen in deiner Umgebung per E-Mail: Jetzt eintragen!

Diesen Beitrag teilen