Menü

Startseite

Kategorien

Termine

Aktionen

Blog

Über uns

Manufaktur vorschlagen

Interviews mit Produzenten

Esspapier - Trockenobst - Fruchtpapier?

20.10.2016

Auf einer Berliner Produktmesse habe ich etwas für mich vollkommen Neues entdeckt. Erst dachte ich, es wäre Esspapier. Ist es irgendwie auch, aber aus Obst. Es nennt sich Fruchtpapier.

Immer mal wieder habe ich mir überlegt, ob ich Trockenobst selber machen soll, doch die Faulheit hat leider gesiegt. Auf der Suche nach gesunden Snacks musste ich also das Fruchtpapier direkt probieren. Und ja, es ist leicht knusprig und schmeckt nach 100% Frucht. So habe ich mich mit dem Gründer Zubin Farahani von der Dörrwerk GmbH aus Berlin unterhalten. Denn er macht nicht einfach nur gesunde Snacks, sondern verfolgt auch einer Philosophie.

 

Ich kenne Esspapier und Trockenobst. Was genau ist Fruchtpapier?

Wir stellen zunächst ein Püree aus einzelnen Obstsorten her. Dann mischen wir Apfelpüree und das einer zweiter Frucht miteinander, breiten die Obstmasse sehr dünn auf Blechen aus und lassen das Ganze dann über knapp 20 Stunden bei sehr niedriger Temperatur trocknen. Dadurch erhalten wir ein hauchdünnes und knuspriges Produkt ? unser Fruchtpapier.

 

Also eine Art Esspapier. Was ist der Unterschied zwischen eurem Fruchtpapier und Chips aus Früchten?

Knuspriges Obst ist fast ausschließlich gefriergetrocknet. Ein Verfahren, was wirklich tolle Snacks liefert, aber enorm viel Energie verschlingt. Außerdem sind die Gefriertrocknungs-Anlagen sehr teuer, sodass sie meist im Ausland stehen. Viele deutsche Marken, die knuspriges Obst anbieten, stellen im Ausland her. Wir dörren in unserer Manufaktur und nutzen nur Zeit und warme Luft ? dadurch sind wir extrem energieeffizient.

 

Wobei warme Luft ja auch Energie verbraucht. Wahrscheinlich jedoch deutlich weniger. Und warum ist eure Fruchtpüree-Basis immer Apfel?

Apfel bildet eine sehr gute Basis, da er verhältnismäßig wenig Zucker enthält. Wenn wir reine Erdbeere oder Ananas trocknen würden wäre das Endprodukt viel zu süß.

 

Ah, zu süß ohne Zuckerzusatz. Gibt es also auch. Und wenn ihr darauf achtet in Deutschland zu produzieren, wieso nehmt ihr dann statt Ananas und Mango nicht nur regionales Obst?

Wir orientieren uns nach Verfügbarkeit von Lebensmitteln, die keine Abnehmer mehr finden. Dabei fallen eben sehr häufig Ananas und Mango an. Wir planen gerade mit unseren Landwirten für das kommende Jahr auch die Möglichkeit, regionale Früchte zu verarbeiten und sind hier sehr guter Dinge, dass es klappt.

 

Stimmt, ihr setzt euch für das 2. Klassen-Obst ein. Nutzt also das, welches es nicht bis in den Supermarkt schafft. Was passiert sonst mit dem Obst, wenn ihr es nicht kauft?

Bei Erdbeeren und exotischen Früchten sind die Mengen, die bei den Importeuren und Landwirten anfallen (z.B. 2.000 kg Mangos oder 4.000 kg Erdbeeren) meist zu klein, um sie an industrielle Abnehmer zu verkaufen. Somit landet dieses Obst meistens in der Entsorgung bzw. in Biogasanlage. Bei den Äpfeln, die sich ja viel länger halten, gibt es manchmal noch Abnehmer, die daraus Apfelmus oder Apfelmost machen. Oft wird aber auch dieses Obst vernichtet, zumal die Lebensmittelindustrie häufig so billig einkauft, dass es sich für die Landwirte gar nicht lohnt, die Äpfel zu ernten oder aufzulesen.

 

Wirklich? Haben wir also einen Überschuss an Früchten? Wow. Und nehmt ihr auch das aussortierte Obst von den Supermärkten, welches sie wegwerfen, weil es in ihren Augen nicht mehr verkaufbar ist?

Nein, hier ist der logistische Aufwand nicht zu meistern. Wir benötigen Mengen ab 1.000 kg. Kein Supermarkt wirft Gott sei Dank derartig viel Obst in wenigen Tagen weg.

 

Dann geht es bei euch ja auch schon um zu kleine Mengen. Und wie wichtig ist euch das Thema Bio?

Retten schlägt bio. Heißt konkret: Wir retten nicht, nur weil etwas nicht bio ist. Außerdem fällt glücklicherweise im Bio-Bereich weniger notleidendes Obst an, weil die Kunden eben öfter auch leicht "beschädigte" Früchte kaufen.

 

Aber die Äpfel bezieht ihr regional?

Äpfel beziehen wir zur Erntezeit aus der Region Straußberg, Erdbeeren aus dem Berliner Umland. Da wir unser Püree zunächst pur abfüllen und lange lagern können, sind wir in der Lage über das ganze Jahr zu produzieren, wenngleich wir das Obst nur zur Erntezeit kaufen.

 

Praktisch. Wie lange ist denn euer Fruchtpapier haltbar?

Gute sechs Monate.

 

Und inzwischen habt ihr auch Gemüsechips aus Roter Beete und Karotte. Habt ihr euch jetzt zusätzlich das Gemüse vorgenommen?

Ja, wir planen eine Menge neuer Kreationen im Gemüse-Bereich. Aber es wird auch noch einige Veränderungen und Variationen unseres Fruchtpapiers geben.



Dörrwerk GmbH, Im Marienpark 22, 12107 Berlin, doerrwerk.de

Felix Kosel



PS: Entdecke tolle Lebensmittel-Handwerker und Manufakturen, spannende Geschichten von Produzenten und erhalte Termine und Aktionen in deiner Umgebung per E-Mail: Jetzt eintragen!

Diesen Beitrag teilen