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Kurz vorm Aufgeben

07.12.2016

Zugegeben, die Überschrift klingt etwas reißerisch. Aber sie trifft leider auch genauso zu. Wir waren gerade an unserem absoluten Tiefpunkt. Hatten kurz innerlich resigniert. Alles hin geschmissen. Eigentlich schon aufgegeben.

Seit fast einem Jahr sitze ich nun an diesem Thema. Vollzeit. Die Idee ist langsam in mir gewachsen. Über die Jahre. Ich habe im Februar einen Gleichgesinnten in einem Gründerforum gefunden. Mit derselben Idee. Die Euphorie brach aus. Schmetterlinge im Bauch. Wir taten uns zusammen, haben geplant, uns informiert und viele Gespräche geführt. Es entstand immer mehr ein Konzept. Wir haben ein Stipendium bekommen und heimsten irrsinnig viel positives Feedback ein. Nicht nur von Freunden, sondern auch von Leuten aus der Branche. Von Kennern.

Dann kam das erste Tief. Die rosarote Brille fiel mir vom Gesicht. Ich trennte mich von meinem Geschäftspartner. Weitermachen? Ja. Aber nur mit Markus. Schließlich kennen wir uns nicht nur privat seit Jahren, sondern haben auch beruflich schon einiges gestemmt. Neuer Name, neue Homepage, gleiches Konzept. Das gab einen Schub. Wir waren wahnsinnig motiviert und es ging wieder nach oben.

Wir kamen dann schnell an unsere Grenzen, da wir keine Programmierer, Webentwickler oder IT-Spezialisten sind. Also begaben wir uns auf die Suche nach einem Mitgründer, der genau dieses Knowhow mitbringen sollte. Und wir haben wen gefunden. Jippi. Doch die Freude hielt nur kurz. Denn er entschied sich nach Amerika zu gehen. Entschied sich gegen unser Projekt. Erneute Talfahrt. Aber wir ließen uns nicht beirren und haben weitergemacht. Alles was ging.  Was machbar war. Investoren wurden auf uns aufmerksam. Das Feedback hielt sich weiter positiv. Manchmal fast schon zu positiv. Denn ohne Kritik kann man sich schwer weiterentwickeln. Wir wurden gefördert, bekamen ein Coaching, wurden zu Gesprächen eingeladen, nahmen an vielen Veranstaltungen teil, bildeten uns weiter. Und suchten parallel weiter nach einem Mitgründer.

Es zog sich. Zwar konnten wir den Blog mit Inhalten füllen, ihn aufbauen und optimieren, aber wir kamen technisch nicht weiter. Bekannte wollten uns unterstützen, nahmen den technischen Part in die Hand, doch immer wieder kam nichts zustande. Verzweiflung machte sich breit. Liegt es an uns? Ist diese Idee vielleicht doch für uns nicht realisierbar? Fragen über Fragen. Doch wir rappelten uns immer wieder auf. Hielten die Fahne hoch.

Wir nahmen am Gründen Live-Wettbewerb von Prof. Dr. Faltin teil. Eine Ikone unter Gründern. Platz 4. Der undankbarste Platz. Glücklich und zugleich leicht geknickt setzten wir einen Hacken darunter. Ja, wir hatten wahnsinnig viel mitgenommen. An Wissen, Erfahrungen und Kontakten. Das alles gehörte zu unserem Weg.

Unsere Homepage wuchs. Manufakturen kamen ganz von selbst auf uns zu, weitere Investoren interessierten sich für uns. Doch um in tiefere Gespräche zu gehen, fehlte uns der dritte Mann. Die dritte Frau im Team. Das Team war den Geldgebern sehr wichtig. Uns auch. Wir suchten weiter. Inzwischen gab es den ersten Artikel über uns online. Wir wurden als kommendes Startup vorgestellt. Die Reaktionen waren toll. Besucher auf der Seite, verschiedenste Leute am Telefon. Irre.

Zufällig auf dem Weg nach Köln zu weiteren Investorengesprächen lernten wir jemanden kennen. Trafen uns und waren ganz begeistert. Ein Programmierer. Alles passte. Menschlich waren wir auf einer gemeinsamen Ebene, hatten die gleichen Ziele im Leben und verstanden uns super. Der Höhenflug begann. Endlich waren wir komplett. Marktplatz wir kommen! Doch kurze Zeit später erneut eine Absage. Diesmal gesundheitlich bedingt. Für uns total nachvollziehbar. Aber es hat uns emotional das Genick gebrochen. Von ganz oben, nach ganz unten. Wir gaben auf. Schmissen alles hin. Waren ausgelaugt. Leer.

Soll es vielleicht einfach nicht sein? Ab wann zieht man die Reißleine? Man soll nicht aufgeben, aber ab wann muss man es doch tun? Geduld muss haben. Willenskraft. Doch letztere löste sich in Staub auf. Wir konnten nicht mehr.

Parallel öffneten sich zwei neue Türen. Ein Getränk mit einem genialen Konzept. Fix und fertig. Bereits im Verkauf. Warum nicht ins gemachte Nest setzen? Geschäftsführung, Marketing, Strategie, Verkauf. Perfekt. Oder nicht? Dann ein weiteres unschlagbar günstiges Angebot. Eine Braustube. Alles vorhanden. Keine Investitionskosten. Kunden ohne Ende, die "einfach" nur bedient werden mussten. Unser Gastroherz erwachte. Blühte kurz auf und blendete uns.

Wir mussten uns entscheiden. Konnten es aber nicht. Es fehlte uns die Kraft. Zudem waren wir emotional hin und her gerissen. Ist der einfachere Weg der bessere? Ist der einfachere Weg überhaupt der einfachere? Wir wägten ab. Unser eigenes Projekt immer mit dabei. Dann kamen ungünstige private Ereignisse dazu. Erneuter Absturz.

Ich weiß nicht wie, aber wir haben uns aus all diesem Schlamassel herausgezogen. Haben uns an das letzte Jahr erinnert. Als wir monatelang durch Südostasien gereist sind. Dort haben wir uns nochmal anders kennen gelernt. Unsere Prioritäten hatten sich verschoben. Denn wir fanden Antworten auf so typische Fragen wie, was ist uns wichtig im Leben? Was wollen wir? Wer und was hat welchen Wert für uns?

Wir haben alles abgesagt. Regelrecht von uns gestoßen. Uns befreit von Entscheidungen und uns dabei entschieden. Felsblöcke fielen uns vom Herzen. Überdimensionale Rucksäcke fielen zu Boden. Wir brauchten nach der gefundenen Freiheit einen ganzen Tag, um wieder zu Kräften zu kommen. Denn diese ganzen Optionen, Höhen und Tiefen, alles schlauchte so unendlich.

Jetzt sind wir wieder da. Mit unserem Projekt. Der ganze Prozess war ein einziges Hinterfragen, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Zumindest sehen wir das so. Und ja, wir sind es. Auf unserem Weg.  Es geht voran. Wir blühen wieder. Haben wieder den Glauben an die Idee gefunden. Mehr denn je. Wir brennen für unsere Idee. Wenn auch vorerst auf leicht kontrollierter Flamme. Verbrennen möchten wir uns nämlich nicht erneut.

Aktuell sitzen wir mit einem Programmierer zusammen. Wohin die Reise mit ihm konkret gehen wird, wissen wir nicht. Planen wir nicht. Einen erneuten Höhenflug wollen wir nicht. Noch nicht. Aber wir kommen voran. Gehen große Schritte. Und es sieht gut aus. Neue Interviewanfragen. Neue Mitgründer-Bewerbungen. Es gibt einen Weg in unseren Köpfen. Und diesen gehen wir. Es kribbelt wieder in unseren Fingern. In unserem Bauch. Sind also nur kurz vom Weg abgekommen. Aber wir haben wieder zurückgefunden. Pünktlich zum Jahreswechsel...

Felix Kosel / Foto: 123rf.com



Mehr über uns, unsere Gedanken, unseren Weg mit Höhen und Tiefen findest du hier.

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