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Interviews mit Produzenten

Schlaraffenland Bonbon Manufaktur

04.11.2016

Jeden Tag Bonbons zum Frühstück. Lakritze zum Mittag und Fudge als Nachtisch. Zwischendurch ein paar geröstete Mandeln... Das Leben als Bonbon Macher muss doch ein herrliches sein, oder?

In Hamburg habe ich eine Bonbon Manufaktur gefunden, die tatsächlich noch handgemachte Süßigkeiten herstellt. Der Bonscheladen. Ein Schlaraffenland für mich.

Bonsche, Bontje, Bonschi oder auch Bönger nennen die Norddeutschen das, was als Bonbon im Duden steht. In Österreich werden sie Zuckerl genannt, was wohl am ehesten die kleine Süßigkeit beschreibt. Dabei kommt das Wort von französisch bon was gut heißt. Doch wie werden Bonbons eigentlich hergestellt?

Ich war dort. Doch es hat geregnet. Und somit war nix mit Bonbons selber machen. Die Luftfeuchtigkeit muss stimmen. Aha. Ich habe mich trotzdem mal mit dem Bonbonkönig und Herr der Süßigkeiten Uwe Sponnagel unterhalten und alle meine Fragen gestellt.

 

Du hast als Kind bestimmt ganz viele Bonbons gegessen, oder wie bist du auf die Idee gekommen, selbst welche herzustellen?

Nein, ich bin eigentlich früher gar nicht so ein großer Bonbonesser gewesen. Aber als ich während eines Urlaubs in Dänemark mit meiner Familie und Freunden einen Bonbonladen besucht habe, war ich sofort von der Idee fasziniert. Ich fand es aufregend, ein solches Projekt zu entwickeln und dann umzusetzen. Da ich keinen Lehrmeister hatte, musste ich das Handwerk noch einmal ganz neu erfinden. Für alle Probleme eine eigene Lösung entwickeln, dabei alles, was ich woanders gesehen hatte, auf unsere Möglichkeiten und auf die Wünsche unserer besonders anspruchsvollen Kunden abstimmen. Und natürlich habe ich mich darauf gefreut Bonbons herzustellen, die auch mir selber schmecken.

 

Wo kommt das Bonbon eigentlich her? Wie ist die Geschichte dazu?

Der Legende nach soll König Henry IV. bei seiner Hochzeit Süßigkeiten an die Kinder von Paris verteilt haben. Diese hatten so etwas noch nie gegessen und riefen begeistert "Bon, Bon!!". Daraus ist das Wort "Bonbon" geworden, das in Deutschland diese speziellen Zuckerwaren bezeichnet (in Frankreich übrigens auch Pralinen). In Hamburg wurden nach der Besatzungszeit der Franzosen Anfang des 19. Jahrhunderts viele französische Ausdrücke in die Alltagssprache übernommen und verballhornt. So ist dann das Hamburger Wort "Bonsche" für Bonbons entstanden.

 

Immer wieder interessant, wie solche Bezeichnungen überhaupt entstanden sind. Klasse! Wie viele unterschiedliche Bonbon-Sorten gibt es denn bei dir zu kaufen?

Wir haben jederzeit ca. 70 Sorten Bonbons, dazu noch ungefähr 15 Mischungen, mehrere Sorten Fudge und auch gebrannte Nüsse. Jahreszeitlich kommen immer noch weitere Sorten dazu, so dass fast 150 Sorten in unseren Rezeptbüchern stehen.

 

Wow! Ich sage ja, Schlaraffenland. Gibt es bei Bonbons wirklich Unterschiede in der Qualität oder geht es allein um den Geschmack?

Die Qualitätsunterschiede betreffen die eingesetzten Zutaten, den Geschmack und auch das Aussehen. Wir verwenden nur wirklich gute Zutaten, z.B. ausschließlich Bio-Zucker und Bio-Glukose. Bei den Aromen achten wir nicht so sehr auf das Bio-Siegel, sondern darauf, dass die Aromen einen guten Geschmack erzielen. Natürlich sollen alle Zutaten unbedenklich sein. So verwenden wir ausschließlich pflanzliche Farben. Aus diesem Grund haben wir in unserem Sortiment keine blauen Bonbons, weil es nur synthetischen Farbstoff für blaue Bonbons gibt.

Alle unsere Rezepte erstellen zudem wir selber. Wir haben immer das Ziel einen intensiven Geschmack zu erreichen, der möglichst nah am Original (z.B. an der jeweiligen Frucht) ist und nicht nur süß oder sauer.

Und auch die Herstellung der Muster und Bilder in den Bonbons ist eine Kunst für sich, die nur wenige beherrschen und die viel Kreativität, handwerkliches Geschick und Genauigkeit erfordert. Das hat auch bei uns Jahre gedauert, bis wir das umsetzen können, was wir jetzt machen. Und wir lernen immer noch täglich sehr viel dazu. Unsere Art der Bonbons mit den Motiven im Innern nennt man übrigens "Rocks-Bonbons".

Und das alles, also die Verwendung der hochwertigen Rohstoffe und der sehr große Arbeitsaufwand, der mit der Herstellung unserer Bonbons verbunden ist, führt dann natürlich auch zu höheren Preisen. Nicht jeder ist bereit, diese für handgemachte Bonbons zu bezahlen.

 

Ja, der Bonbon ist tatsächlich für mich kein hochwertiges Produkt im Kopf. Gewesen. Also bis jetzt. Deswegen finde ich es toll, von dir mehr über das Bonbon Handwerk zu erfahren. Was ist denn die außergewöhnlichste Bonbon-Kreation, die du mal hergestellt hast?

Wir haben schon ganz außergewöhnliche Kombinationen in unserem Sortiment, z.B. Zitrone mit indischem Meersalz, Pflaume mit Pfeffer oder Lakritz mit Chili. Vielleicht war der Bonbon mit korsischem Pinienöl das Außergewöhnlichste, was wir jemals hergestellt haben. War aber ehrlich gesagt auch nicht der große Verkaufsrenner...

 

Pflaume Pfeffer find ich ja auch eine klasse Kombi. Lecker! Sag mal, welchen Beruf hast du ursprünglich gelernt? Und gibt es überhaupt eine Ausbildung zum Bonbonmacher? Das wäre doch der Traumberuf für jedes Schleckermäulchen.

Eigentlich bin ich Diplom-Pädagoge von Beruf. Da habe ich viele Konzepte geschrieben, Projekte entwickelt und auch Betriebsteile geleitet.

Der Bonbonmacher war bis 1980 ein Ausbildungsberuf mit eigener Innung, ist dann aber wegen fehlender Nachfrage abgeschafft worden. Es gab nur noch die industrielle Bonbonproduktion, und da waren andere Fähigkeiten gefragt, die dann im neuen Beruf der "Fachkraft der Süßwarenwirtschaft" aufgenommen wurden. Es wäre auch fatal, Menschen in einem Beruf auszubilden, in dem es nur noch 10-20 Arbeitsplätze in ganz Deutschland gibt.

 

Bonscheladen, Friedensallee 12, 22765 Hamburg, bonscheladen.de

Felix Kosel



Bonbons selber machen: Rezept für Karamellbonbons

Zutaten:

  • 250ml Schlagsahne
  • 200g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 2 Esslöffel Honig
  • 2 Esslöffel Butter
 

Alle Zutaten in einen Topf geben und erhitzen. Insgesamt sollen diese gute 15 Minuten gekocht werden. So lange, bis eine dickflüssige, zähe, goldbraune Masse entsteht. Nun nimmt man eine Auflaufform, legt diese mit Backpapier aus, füllt die Bonbonmasse hinein und streicht sie darin glatt. Nun wird alles so lange abgekühlt, bis die Masse bei leichtem Druck kaum noch nachgibt und dann in die gewünschte Bonbonform geschnitten. Nach dem endgültigen Auskühlen sollte man die fertigen Bonbons in Folie einwickeln, damit sie nicht zu stark austrocknen.

 

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