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Wusstest du eigentlich, dass… ?

Was haben Geist, Brand und Likör mit Whisky zu tun?

18.11.2016

Es gibt so viele verschiedene Spitiuosen. Und ganz ehrlich, ich sehe da teilweise gar nicht mehr durch. Also habe ich mich wieder auf die Suche nach Antworten gemacht.

Fangen wir mit drei Produkten an: was genau ist Likör, wie wird ein Geist hergestellt und wo liegt der Unterschied zu einem Brand? Warum heißt es überhaupt Brand und Geist? Aber dazu unten mehr. In Haan, bei Düsseldorf, gibt es eine Manufaktur mit dem wunderschönen Namen "Handmade Moonshine". Diese stellt genau die drei Produkte her und hat mir etwas Licht ins Dunkel gebracht.

 

Was genau sind also die Unterschiede zwischen einem Likör, Geist und Brand?

Um einen Brand herzustellen, maischt man zunächst z.B. frische Williams-Birnen ein und lässt das Gemisch gären. Anschließend wird das Gemisch destilliert. Für einen runderen Geschmack destilliert man das Destillat anschließend ein zweites Mal; so wird unser Williams-Brand trotz seiner 40% vol Alkoholgehalt angenehm weich und gleichzeitig fruchtig.

Die Basis für alle unsere Liköre und Geiste bildet unser White Whisky. Dieser wird ähnlich hergestellt, wie ein Williams-Birnen-Brand, wobei es sich bei unserem Whisky um ein sogenanntes Getreide-Destillat handelt.

Will man einen Likör herstellen, so setzt man diesen an. Das heißt, wir nehmen unseren White Whisky, legen in diesen frisch geerntete und gesäuberte Früchte ein - z.B. entsteinte und entstielte Kirschen - und lassen das Gemisch anschließend ,,ziehen". Das heißt, dass es bei Temperaturen von mindestens 21°C gelagert wird. Die Lagerzeit kann gerne etwas länger sein. Anschließend wird das Gemisch schonend gefiltert und ist nach einer Herabsetzung auf Trinkstärke bereit zur Abfüllung.

Will man hingegen einen Geist herstellen, so kommt es hierbei vor allem auf ein gutes Timing an. Beispiel unser Himbeer-Geist: Wir nehmen frisch geerntete Himbeeren, reinigen diese schonend und legen sie anschließend in unseren White Whisky ein. Diesen Vorgang nennt man Mazerieren. Gerade bei Himbeeren ist es wichtig, nur feldfrische Früchte zu verarbeiten, da sich diese bereits nach kurzer Zeit gegenseitig ,,plattliegen". Dabei tritt Fruchtsaft und Wasser aus, was zusammen mit der Luft zu einer unerwünschten Vergärung führen kann.

Anschließend lässt man auch dieses Gemisch reifen. Der Unterschied zu einem Likör ist nun, dass man dieses Gemisch anschließend destilliert anstatt es einfach zu filtrieren. Beim Destillieren wiederum hängt ein Aromakorb im Alkoholdampf, in welchem sich frische (!) Himbeeren befinden. Da wir ja keine Lagerware verarbeiten, sieht man sofort, dass ein gutes Timing hierbei sehr wichtig ist. Das heißt, dass wir direkt zu Beginn der Himbeer-Saison unser Gemisch ansetzen, damit wir anschließend beim Destillieren wiederum auf frische Himbeeren zurückgreifen können.

Heraus kommt ein Destillat mit ganz leichter zart-rosa-Färbung, das sehr weich und angenehm auf der Zunge ist und aus dem man sehr leicht ein zartes Himbeer-Aroma herausschmecken kann - eben den Geist der Himbeeren.

 

Wow, eine Menge interessantes Fachwissen. Und wozu trinkt man am besten einen Likör, wozu einen Geist und wozu einen Brand?

Ein Brand eignet sich durch seine etwas ,,sprittigere Natur" vor allem als ,,Absacker" nach einem deftigen Essen. Einen Geist mögen vor allem Genießer, die viel wert auf eine angenehme Fruchtnote legen, für die jedoch ein Likör wiederum schon zu fruchtig ist. Auch einen Geist trinkt man gerne nach einem guten Essen; Genießer trinken ihn jedoch auch bei einer gemütlichen Runde abends unter Freunden.

Unsere Liköre sind immer angenehm fruchtig und wenig süß. Für einen Likör hat man gesetzliche Vorgaben was den Mindestzuckergehalt pro Liter betrifft. Wir zuckern unsere Liköre gerade so viel, dass sie den Mindestzuckergehalt enthalten. Dadurch schmecken unsere Liköre sehr fruchtig und wenig süß. Getrunken wird ein Likör gerne abends vor dem Fernseher oder in gemütlicher Runde unter Freunden.

 

Ich habe gelesen, dass ihr für euren Haselnuss Geist sogar die Nüsse selbst röstet. Wie viel handmade steckt tatsächlich in eurer Manufaktur?

Wir haben uns Handwerk und Regionalität auf die Fahne geschrieben. Für unseren ersten Kirsch-Likör in 2015 haben wir sogar selber die Kirschen von den Bäumen geerntet. Anschließend haben wir diese selber entstielt und entsteint und den Likör angesetzt. Unsere Abfüllung machen wir ebenfalls selbst; wir besitzen keine Maschine, die das für uns übernehmen würde. Zu guter letzt wird auch jedes Etikett von Hand aufgeklebt, sowie die individuelle Seriennummer eingetragen. Jede Flasche geht also durch unsere Hände.

Für den Haselnuss-Geist haben wir erstmals auch selber geröstet. Unsere Lohnbrennerei bzw. unser Destillateur hat uns da sehr geholfen und uns unter anderem natürlich seinen Röster zur Verfügung gestellt.

 

Aber wie stellt ihr sicher, dass in den nächsten Jahren mit wachsendem Erfolg ihr weiter alles in Handarbeit produzieren könnt?

Hierzu haben wir uns bereits mit unserer Lohnbrennerei zusammengesetzt. Da es sich hierbei ebenfalls um einen Handwerksbetrieb der alten Schule handelt, war der Weg sofort klar. Um ,,handmade" weiterhin sicherstellen zu können, werden wir zusätzliche Mitarbeiter anstellen, die die handwerklichen Arbeitsweisen fortführen. Massenfertigung - wie bei zahlreichen Wettbewerbern - wird es bei uns niemals geben.

 

Das finde ich ja super. Hut ab. Auch legt ihr sehr viel Wert auf regionale Zutaten. Woher bezieht ihr diese und wie definiert ihr regional?

Wir haben uns das Ziel gesetzt Lebensmittel von regionalen Erzeugern zu beziehen, die nicht weiter als 100km von uns entfernt sind. Gerade wenn man etwas anderes ausprobieren möchte, wie bspw. einen Quitten-Likör oder einen Schlehen-Likör, findet man diese Lebensmittel in der Regel nicht in guter Qualität am Gartenzaun. Hier ist es wichtig ein gutes Netzwerk zu haben; unser Destillateur unserer Lohnbrennerei hilft uns hierbei immer sehr; kann er doch auf über 30 Jahre Erfahrung zurückblicken.

Zu jeder Saison stellen wir nur eine bestimmte Anzahl an Flaschen her. Ist die Saison zu Ende, so beginnt meist die Saison einer anderen Frucht. Erst im nächsten Jahr, wenn z.B. Kirschen wieder Saison haben, stellen wir auch wieder Kirsch-Likör her. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine künstliche Verknappung, um die Preise in die Höhe zu treiben, sondern um unsere Motivation, den Menschen wieder ein Gefühl für Jahreszeiten zu geben und ihnen die Natur näher zu bringen.

 

Ihr seid ja eine richtige Vorbild-Manufaktur. Toll! Und woher stammen eure Rezepte?

Das Rezept für unseren White Whisky stammt tatsächlich aus einer Bibliothek aus den USA. Wir hatten das große Glück, dass einer unserer Gründer ,,Brauerei- und Brennwissenschaften" (Brewing Science and Technology) auf Master in Kopenhagen studierte und somit über das Online-System auch auf die amerikanische Bibliothek zugreifen konnte.

Die nachfolgenden Rezepte für unsere Liköre und Geiste haben wir anschließend zusammen mit unserem Destillateur und seinem Team entwickelt.

 

Verrätst du uns, was das Besondere an eurem selbstgemachten White Whisky ist?

Klar. Unser White Whisky geht auf ein US-amerikansiches Originalrezept von 1926 zurück. Zu dieser Zeit waren die Herstellung und der Konsum von alkoholischen Getränken in den USA verboten. Trotzdem scheuten einige mutige Menschen die Gefahr nicht, führten traditionelle Herstellungsweisen fort und stellten weiterhin Spirituosen her. Bekannt wurden diese Menschen als die ,,Moonshiners", da sie oft auf Brennanlagen unter freiem Himmel versteckt in Wäldern im Mondschein-Licht ihre Spirituosen herstellten.

Heutzutage gibt es viele unterschiedliche Interpretationen eines ,,Original Moonshines". Wir mussten unser Rezept bspw. dem deutschen Lebensmittelrecht unterwerfen, wodurch wir die ein oder andere kleine Veränderung in den Zutaten vornehmen mussten. Geblieben jedoch ist der Geist der Moonshiners, gepaart mit der ausschließlich handwerklichen Verarbeitung feldfrischer, regionaler Lebensmittel und bildet zusammen mit dem Design der Flaschen ein Erlebnis für die Sinne!

 

Ah, daher also auch euer Name. Tolle Geschichte. Ihr habt euch 2015 gegründet. Wie viele seid ihr inzwischen und was hat sich seitdem getan?

Angefangen haben wir mit 3 Gründern, wobei sich einer wieder aus dem Unternehmen zurückgezogen hat, sowie unserem Destillateur inkl. seines Sohnes und zwei seiner Mitarbeiter. Mittlerweile ist das Team etwas gewachsen; so haben wir zwei freie Mitarbeiter und unsere Familien werden auch stärker miteinbezogen. Mit zunehmendem Wachstum werden wir jedoch sehr bald das Team weiter vergrößern müssen.

 

Das klingt doch nach Erfolg! Zum Schluss noch eine Frage aus aktuellem Anlass: Welche Spirituose empfehlt ihr für den anstehenden Winter?

Für Likör-Liebhaber ganz klar unseren Kirsch-Likör und unseren Apfel-Zimt-Likör! Wer es etwas kräftiger, jedoch auch fruchtig mag, ganz klar unseren Himbeer-Geist. Liebhabern von Bränden können wir für den anstehenden Winter unseren Williams-Brand empfehlen.

Handmade Moonshine, Am Marktweg 4, 42781 Haan, handmade-moonshine.de

Felix Kosel



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