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Einen "Tag der Konservendose"?

25.08.2017

Wie, es gibt einen "Tag der Konservendose"? Heute? Was hat diese Dose, dass sie einen eigenen Aktionstag verdient hat? Genau das habe ich mich gefragt und mich auf die Suche gemacht. Und siehe da, das Thema entpuppt sich als äußerst interessant.

Der Ruf der Konservendose ist kein guter. Zumindest nicht bei mir. Bisher assoziierte ich damit Industrieware. Gemüse wie Bohnen, Erbsen und Tomaten. Auch Obst wie Mango, Mandarinen oder Litschi gibt's in Blechdosen. Doch wer kauft das? Schaut man sich die vollen Regale und das damit verbundene große Sortiment im Supermarkt an, muss es nicht wenige Abnehmer geben. Klar, Suppen werden in Dosen verpackt. Sogar Brot gibt es in Büchsen, Brotaufstrich sowieso. Bei Fisch, Fleisch und Wurst, wie z.B. die Frühstückswurst, sowie Kapern und Schmalz greife auch ich zu.

Letztes Jahr kam ich das erste Mal mit diesem Thema in Berührung, als ich Heiko Langhans von der Langhans Suppenmanufaktur interviewte. "Revolutionierung der Dosensuppe?" war die Überschrift. Der gelernte Koch hat in vielen Restaurants, Hotels und auch auf einigen Schiffen gearbeitet und sich danach mit Dosensuppen selbständig gemacht. Ganz richtig, mit Dosensuppen. Allerdings verpackt er nur hochwertige und in Handarbeit hergestellte Suppen in Blech. Wieso also würde ich selbst eher auf eine Manufaktursuppe im Glas zugreifen, als auf eine in der Dose? Weil man durch Glas den Inhalt sieht? Weil Glas bisher für mich sauberer, besser zu recyceln war? Was steckt also hinter der Konservendose?

Weißblechverpackungen, wie die Lebensmitteldose, haben die höchsten Recyclingraten von allen Verpackungen. Bei ihnen werden am meisten Wertstoffe aus dem Abfall recycelt. Wow. Weißblech liegt mit 93 % in Deutschland also über Glas (87 %). Somit ist die Konservendose der Recyclingchampion! Hätte ich nicht gedacht. Doch welche Vorteile gegenüber Glas hat die Dose noch? Das habe ich die in München sitzende Initiative Lebensmitteldose gefragt, die sich für diese Art von Verpackung stark macht:

"Die Lebensmitteldose wird aus Verpackungsstahl hergestellt und dieses Material bildet eine undurchdringliche Barriere gegen Sauerstoff oder Verunreinigungen und - im Unterschied zu Glas - auch vor Licht. Auch Schläge und Stöße wehrt die Dose souverän ab. Vitamine und Mineralstoffe bleiben hingegen erhalten. Deshalb bieten Dosen den perfekten Schutz für Lebensmittel - egal ob bei Transport und Lagerung oder im Supermarktregal."

Wenn die Dose so viele Vorteile hat, wieso nutzen dann nicht viel mehr Lebensmittel-Handwerker diese Art der Verpackung für ihre Produkte? Wie hoch ist denn überhaupt der prozentuale Anteil von Konservendosen bei den Verpackungen von Lebensmittel und wie war die Entwicklung in den letzten Jahren?

"Bei verarbeiteten Lebensmitteln hat die Lebensmitteldose über die letzten Jahre einen konstant hohen Anteil. Auch wenn neue Verpackungen ausgetestet werden und ein hoher Wettbewerbsdruck zu spüren ist, ist die Dose nach wie vor sehr stark in ihren Kernsegmenten. Eintöpfe beispielsweise landen je nach Produktkategorie zu über 90 % verpackt in der Dose im Einkaufswagen der Verbraucher - das wird allein anhand der Regalfläche im Supermarkt deutlich."

Da hat aber die Industrie den größten Anteil dran. Bleibt also das schlechte Image, oder?

"Die Dose ist auch nach mehr als 200 Jahren eine der modernsten Verpackungen. Nicht umsonst werden edle Jahrgangssardinen oder hochwertige Suppen und Eintöpfe in der Lebensmitteldose angeboten. Auch Sterneköche und Feinschmeckerrestaurants setzen die Lebensmitteldose gezielt in Szene. Geschichten rund um die Lebensmitteldose stellt die Initiative Lebensmitteldose übrigens in dem Magazin MADE FOR FOOD vor. Hier wird ganz schnell klar, dass die Dose alles andere als verstaubt ist."

Konserven werden mit Maschine verschlossen

Was sagt dagegen ein Lebensmittel-Handwerker wie Heiko Langhans zum Image? Schließlich kocht er handwerklich feine Suppen und ist in der direkten Konkurrenz zu den Industriedosen:

"Das Image der Dosensuppe stellt tatsächlich ein Problem dar. Denn genau genommen sind unsere Kunden das Gegenteil vom klassischen Konserven-Konsument. Man muss das Produkt erklären, die Philosophie und den Macher dahinter darstellen. Aber genau das ist auch das Spannende, die Herausforderung daran. Letztlich bietet diese Form der Verpackung einfach sehr viele Vorteile: ein robustes, leichtes Material, das das Produkt optimal schützt. Die Konserve lässt sich ausgezeichnet lagern und das Weißblech danach sehr gut recyceln. Außerdem erfordert diese Art der Verpackung für Lebensmittel ein sehr hohes Maß an Sauberkeit, Erfahrung und Professionalität im Herstellungsprozess. Und das bildet für uns auf dem Markt der Food-Manufakturen schon ein gewisses Alleinstellungsmerkmal."

Das ist es in der Tat. Und es ist dazu sehr vorbildlich, aber doch sicher auch sehr anstrengend, als Pionier diese Verpackung für hochwertige Lebensmittel in die Köpfe der Menschen zu bringen.

"Da ist natürlich ein revolutionärer Gedanke dabei. Das miese Image der Konservendose aufpolieren - das war von Beginn an unser Ziel. Mit unseren Produkten wollen wir dem heutigen Alltag gerecht werden: Die Vorteile von Convenience gepaart mit gutem Geschmack und ausgewählten Zutaten."

Also ein Aufruf an andere Manufakturen, über die Konserve nachzudenken. Doch gerade für kleine Produzenten geht es bei der Verpackung auch um die Kosten. Wie sieht es zumindest bei der Langhans Suppenmanufaktur damit aus?

"Gläser sind im Einkauf i.d.R. schon etwas teurer als Weißblechdosen. Demgegenüber ist der zeitliche und finanzielle Aufwand des Verschließens bei der Dose ein wesentlich größerer als beim Glas. Die dafür notwendige Dosenverschlussmaschine muss - von der Anschaffung einmal abgesehen - regelmäßig gewartet und kalibriert werden. Zudem sind mehr Handgriffe für das Verschließen notwendig. Der finanzielle Einsatz für Glas und Dose lässt sich jedoch nicht pauschal vergleichen, da dies immer individuell ist und in erster Linie vom Produktionsumfang (Stückzahl pro Jahr) abhängig ist."

Also preislich ist die Dose dem Glas ähnlich, erfordert aber mehr Handarbeit. Der Vorteil liegt demnach für mich ganz klar bei der Nachhaltigkeit und dem Schutz des Inhalts. Ein Umdenken ist erforderlich. Bei mir hat dieser Prozess bereits begonnen.

Vor kurzem haben wir von der Bio Manufaktur - Metzgerei Homburger Hof Produkte in Dosen verlost. Wurst, Fleisch und auch Bolognese Sauce. Warum verpacken sie ihre Produkte nicht in Glas wollte ich wissen:

"Wir haben die Dosen in unserem Verkauf, da diese für 365 Tage haltbar sind. Unsere Kunden nehmen die Dosen-Produkte gerne mit in den Urlaub, zum Wandern oder auch gerne als Notreserve für zu Hause. Wir haben unsere Wurst auch in der Gläservariante. Allerdings haben wir dort nur eine Haltbarkeit von 6 Monaten."

Klingt danach, als wäre bei einer Metzgerei das Image der Verpackung zumindest beim Homburger Hof nicht das Problem.

"Nein, für uns stellt dies kein Problem dar. Grundsätzlich verkaufen wir frische Waren. Da aber unsere Kunden gerne auch länger haltbare Produkte kaufen, haben wir die Dosenvariante im Verkauf. Da unsere Bio Fleisch- und Wurstwaren ohne Zusatzstoffe hergestellt werden, ist die offene Wurst nicht lange haltbar. Auch aus diesem Grunde verwenden wir den Einsatz der Dosen, da diese unter Hitze hergestellt wird und daher haltbar ist."

Ich werde also meinen Horizont und Blick in Zukunft erweitern und mir auch die Konservendosen genauer anschauen. Schließlich sind sie genauso einfach über die gelbe Tonne dem Wertstoffkreislauf wieder zurückzuführen. Gut, dass es den "Tag der Konservendose" gibt.

Felix Kosel / Titel- und Artikelfoto: Langhans Suppenmanufakur



Mehr Infos zum Thema gibt es übrigens bei der Initiative Lebensmitteldose oder schau Heiko Langhans bei seiner Arbeit über die Schulter und überzeuge dich von seiner Qualität in Dosen.

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